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"Flatterherz" von Henry-Martin Klemt


Solange es Menschen gibt, bleiben Liebesgedichte in Mode, sie sind unerschöpflich und facettenreich wie die Liebe selbst.

Die aktuelle Sammlung von Henry-Martin Klemt beinhaltet Gedichte zwischen 1979 und 2015 und lässt den Leser eine Reise über Berge und durch Täler menschlicher Beziehungen unternehmen, bei der er seine ganz persönlichen Entdeckungen machen kann. Starke Gefühle lodern auf, mal liedhaft, mal märchenhaft, mal schnoddrig und direkt und mal kryptisch oder gar verspielt romantisch, kaum eine Nuance sprachlicher Möglichkeiten, die dabei unberührt bleibt. Wie auch bei anderen seiner Gedichtveröffentlichungen faszinieren Bildhaftigkeit („Schmiedehammer Sehnsucht“) und die offensichtliche Freude des Poeten Klemt am Experiment Sprache, wie in „Mein U“.

Wer sich in seine Verse vertieft, muss bisweilen mehrmals lesen, um dahinter zu kommen und zu verstehen. Aber liegt nicht gerade der Reiz im Mysteriösen? Für manches braucht man keine Worte („…so viel Zärtlichkeit ist nur im Schweigen zu ertragen…“), anderes ist dem Leser auf Anhieb vertraut („…mit mir ist gut Kirschenessen…“), weckt Erinnerungen („…öffnet euch, ihr Mauern…“, „Neunmalklug und Tausendschön“), lockt mit der Magie der Zahlen (das 13. Zimmer, mit hundert anderen, 12 Feen, meine sieben Sachen), fordert heraus („…Peitschenknall in den Arterien…“) ist einfach Labsal für die Seele („…lass von deinen Wegen etwas Staub in diesem Raum…“).

Klemts Gedichte sind ein Angebot einzutauchen in die Farben der Liebe und dabei Erwartungen, Enttäuschungen, Hoffnungen und Zukunftsvisionen aufzuspüren. Sinnliches und Sinnreiches werden kontrastreich verwoben.

Lüge und Wahrheit, das Begehren und das Bekenntnis zu Liebe thematisiert er ebenso wie Natur-Gegebenes als immerwährende Begleitung des Menschen – und immer steht die Frau im Zentrum. Da heißt es: „…dein Lächeln ist mein Ariadnefaden…“, da ist sie Geliebte, Kumpel, Mutter auf der Suche nach einem Vater für ihr Kind, Frau, die einem das „Zuhause“ ist.

Die Rede ist auch vom Leben, das „wandern“ heißt, auch wenn „…Jahre fallen, Blatt um Blatt um Blatt…“ Klemts Gedichte sind unterwegs, auf Wanderschaft, ob Manhattan, Paris, Berlin, Moskau oder im heimischen Lennépark von Frankfurt (Oder), um sich auch mal einfach nur „in einer Pfütze wieder“ zu finden…“ oder „… in den Schein der Blutorange überm See“ zu schauen. Es ist eine abwechslungsreiche Fahrt durch Klemts Poesie; nicht immer wird ein Ziel angesteuert, es geht auch mal „irgendwohin“.

Das macht Spaß zu lesen und sich erinnert zu fühlen an Tucholskys deftige Klarheit, Heines Ironie oder die Sensibilität klassischer Liebesgedichte von Goethe bis Kahlau oder Fried, aber ganz genau zu wissen, er bleibt immer ganz er selbst, Klemt eben.

Sigrid Maria Suszek

Henry-Martin Klemt, Flatterherz – Liebesgedichte, 176 Seiten, Paperback, 15 Euro (auch als eBook und Hardcover erhältlich), ISBN 978-3-7345-1096-0